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Sun in the Heart - Teil 2

Erfüllte Jahre mit neuen Aufgaben und Tätigkeiten

Alle meine Jahre in diesem Tierheim waren und bleiben eine schöne Zeit, die mein Leben prägte und veränderte, eine Zeit, die meinen Lebensalltag mit Licht, Sinn und Inhalt erfüllte und sich unvergeßlich in meinen Erinnerungen eingenistet und verewigt hat. Offenbar gab es für mich angesichts der mir lieb und bedeutsam gewordenen Tierheim-Tätigkeit nichts Wichtigeres, nichts Schöneres und Sinnvolleres mehr, als mein Herz ungeteilt an alle meine "Freunde auf vier Pfoten" zu verschenken, die von ihren einst stolzen Besitzern eines Tages leider aus oft belanglosen Gründen heraus weggeworfen und dank existierender Tierheime in vielerlei Fällen auf bequeme Art und Weise verantwortungslos „entsorgt und recycelt“ wurden.
Und da ich vermutlich „kein besonders guter und brauchbarer Mitarbeiter“ war, wurde ich schließlich von der Führung des Tierheimes dazu "verdonnert", mich zukünftig für die Hunde noch mehr als bisher verantwortlich fühlen zu dürfen.  Da es betreffs der erforderlichen Spaziergänge mit den Hunden an genügend anderen Helfern nicht mangelte, wurde ich alsbald mit der Aufgabe betraut, die auszuführenden Hunde einerseits an die Spaziergänger herauszugeben und andererseits den Aus-und Freilauf  der nicht ausgeführten Hunde im Tierheimgelände zu organisieren,  durchzuführen und zu beaufsichtigen.
Nicht jeder Hund hatte stets und immer die Gelegenheit zu einem Spaziergang durch Wald und Flur außerhalb unseres Tierheimgeländes. Solche Spaziergänge waren einerseits von der Bereitwilligkeit der anwesenden Helfer und andererseits von der Anzahl all jener Tierfreunde abhängig, die regelmäßig oder weniger regelmäßig in unser Tierheim kamen und entweder mit einem beliebigen oder einem besonders ans Herz gewachsenen Hund spazieren zu gehen beabsichtigten. Hierbei spielte natürlich auch das Wetter keine unbedeutende Rolle und wenn dieses weniger freundlich und schön war, wurden an solchen Tagen natürlich auch weniger Besucher und Tierfreunde in unserem  Tierheim vorstellig.  Derartige Tierfreunde, die gerne und oft mit einem unserer Hunde zum Tor hinausmarschierten, waren für uns Tierheim-Mitarbeiter natürlich eine außerordentlich nützliche Hilfe. Besonders Samstags und Sonntags ließen es sich viele Hundefreunde nicht nehmen, nachmittags ins Tierheim zu kommen und einen ihrer Schützlinge auszuführen. Mitunter standen diese spazierwilligen Tierfreunde an sonnigen Wochenend-Nachmittagen massenweise vor dem noch ungeöffneten Tor und demzufolge waren alsbald sämtliche unserer Hunde meist stundenlang unterwegs und  so mancher Besucher am Ende der Warteschlange war dann natürlich enttäuscht darüber, wenn letztlich kein einziger Hund mehr für einen Spaziergang verfügbar war.   Gänzlich anders als an sonnigen Samstagen und Sonntagen verhielt es sich allerdings an den Werktagen und nicht jeder Hund konnte angesichts oft mangelnder Spaziergänger mehrmals täglich ausgeführt werden.
Dementsprechend musste diesen Hunden möglichst  mehrmals am Tag innerhalb des Tierheimgeländes ein mindestens halbstündiger Auslauf ermöglicht werden. Besonders an regnerischen Nachmittagen war es meinerseits klug und ratsam, mich nicht auf besonders viele Besucher zu verlassen und dementsprechend zu agieren und darauf bedacht zu sein, auch ohne derartige Hilfe und Unterstützung den mir obliegenden Aufgaben gerecht zu werden. So gern ich auch im Tierheim arbeitete, so war ich doch keineswegs unglücklich darüber, wenn es schließlich Abend wurde und ich alles zu Erledigende hinter mich gebracht hatte und gegen 18.30 Uhr dann wieder nach Hause fahren konnte. Leider war es zeitmäßig nicht immer ein Kinderspiel, bis zum Feierabend gegen 18.30 Uhr - oftmals allein und in Stich gelassen - alle anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Aber wie auch immer: In drei voneinander getrennten und mit Zäunen abgesicherten Bereichen galt es, all jenen Hunden, denen kein Spaziergang vergönnt war, einen  erforderlichen und mindestens halbstündigen Auslauf zu ermöglichen. Nach Ablauf dieser Zeit wurden diese "Freiläufer" in ihre Zwinger zurückgebracht und die nächsten miteinander verträglichen "Kandidaten" durften zum Herumtollen und Austoben ins freie Gelände.

Als Solist ist vieles problematisch

Diesen Auslauf zu organisieren, zu regulieren und zu bewerkstelligen war also hinfort die hauptsächliche Aufgabe des nunmehr schon einige Zeit lang im Tierheim beschäftigten Jöhstädter Mitstreiters. Aber zu dieser Aufgabe gesellten sich natürlich während meiner Nachmittagsschicht noch mancherlei andere Aufgaben hinzu und besonders dann, wenn mir kein weiterer Helfer oder Mitarbeiter zur Verfügung stand, drohte mir doch so einiges über den Kopf zu wachsen und mitunter recht stressig zu werden. So hatte ich mich nicht nur um den Auslauf der Hunde zu kümmern, sondern es galt ebenso, zwischendurch verunreinigte Zwinger zu reinigen, Welpen oder bestimmte Hunde nochmals zu füttern, Hunde zwecks eines Spaziergangs herauszugeben oder zurückkehrende Hunde wieder in Empfang zu nehmen.  Und alle diese Aufgaben waren oft weniger mühsam und nervenstrapazierend als jene Aufgabe, sich inmitten irgendeiner Beschäftigung stets und ständig auch noch besonders nett und überfreundlich um jeden Besucher kümmern zu müssen. Sobald es am Eingangstor klingelte und Besucher meist ungeduldig darauf warteten, daß da endlich mal jemand erscheint, dann galt es, die augenblickliche Arbeit zu unterbrechen, durch den Gang zu hasten, nach draußen zu eilen und dem Anliegen des ungeduldig klingelnden und  natürlich auch nervenden Tierheimbesuchers möglichst freundlich und umgehend zu entsprechen.  
Welch eine Hilfe und Erleichterung für mich, wenn ich andere Helfer und Mitarbeiter zumindest bis gegen 16.00 Uhr an meiner Seite hatte. Diese haben mir oft viele Schritte und Handgriffe abgenommen und dank dieser helfenden Hände war die Bewältigung aller zu verrichtenden Aufgaben oft ein Kinderspiel und weniger stressig und frustrierend.  Andererseits war ich jedoch mitunter auch gänzlich auf mich allein angewiesen und nicht immer hatte ich das Glück, dank zusätzlicher Helfer und Mitarbeiter entlastet zu werden. Nicht immer, jedoch verhältnismäßig oft war ich sozusagen ein Tierheim-Nachmittags-Alleinunterhalter.

Es trifft den Nagel auf den Kopf

Das mir der Hund viel lieber sei, sagst Du, oh Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde!

 

Trotz aller arbeitsmäßig schwierigen Monate waren viele Jahre meiner Tierheim-Tätigkeit sehr glückliche und schöne Jahre mit viel Liebe und Herz für meine vierbeinigen Freunde. Und allein diese "Freunde auf vier Pfoten" begründen diese schönen und sinnerfüllten Jahre, weil solche Freunde letztlich aus gänzlich anderem Holz geschnitzt sind als jene Freunde, die keine Pfoten, sondern stattdessen Beine und Hände besitzen. Jedes Gramm Liebe und Zuwendung, daß ich meinen Schützlingen  schenkte und widmete, erhielt ich tausendfach von ihnen zurück. Die meisten der mit mir befreundeten Kollegen allerdings, der Vorstand, die Tierheim-Führungskräfte und viele Vereinsmitglieder  "bedankten" sich  bei diesem Jöhstädter Helfer, den sie zunächst jahrelang als einen ordentlichen und zuverlässigen Mitarbeiter schätzten und akzeptierten, eines Tages auf eine weniger freundliche Art und Weise, nämlich mit Fußtritten in dessen Allerwertesten.  Wahrhaftig, welch eine glanzvolle Leistung der sich anpassenden Kollegen und  elitären Vorstandsmitglieder: So mancherlei war in unserem Tierheim eines Tages doch sehr in Unordnung geraten und nun galt es,  sich betreffs aller Schuld und Ursache  auf gar keinen Fall an der eigenen Nase zu zupfen, sondern statt dessen einen "Sündenbock" zu finden und diesen Sünder als "Plage und Schandfleck" des Tierheimes zu verunglimpfen und letztlich als  Warnung für eventuell zukünftige Kritiker und Querulanten an diesem Übeltäter ein abschreckendes Exempel zu statuieren.
Spätestens während dieser unrühmlichen und beschämenden Ereignisse habe ich wohl den immensen Unterschied zwischen dem Charakter eines Hundes und dem eines Menschen besonders einprägsam kennengelernt und mir diese Gegensätzlichkeit zeitlebens hinter meine Ohren geschrieben. Welch ein Kontrast und Gegensatz: Einerseits der vermeintlich immerzu nur instinktiv agierende Hund und andererseits der vernunftbegabte Mensch als vermeintliche Krone der Schöpfung!
Wie tief muss man als Mensch von anderen Menschen eigentlich enttäuscht worden sein, um Hunden letztlich mehr zu vertrauen als Menschen? Wie tief sind wohl die Wunden und Verletzungen eines Menschen, dessen Liebe und Vertrauen zu Hunden offenbar größer ist als das Vertrauen gegenüber vielen seiner Mitmenschen? Meine "Freunde auf vier Pfoten" waren im Gegensatz zu mancherlei „Freunden auf zwei Beinen“ stets ehrliche und aufrichtige Freunde, Freunde ohne Lug und Trug. Und diese „Freunde auf vier Pfoten“ waren tagtäglich die Quelle für mich, aus welcher ich Kraft und Stärke schöpfte  inmitten aller Auseinandersetzungen, Konflikte und Ereignisse.

Ergänzungen zu meinen Aufgaben und Tätigkeiten

Schnell einmal ein Häufchen zu beseitigen, einen Zwinger herauszuwischen, eine Fütterung durchzuführen, den Hunden für eine halbe Stunde etwas Auslauf zu ermöglichen, Hunde zum Spaziergang herauszugeben und zurückkehrende Hunde wieder in ihren Zwinger zu führen, Besuchern das Tor zu öffnen, deren Wünsche zu erfüllen oder Fragen zu beantworten – das alles waren keine körperlich anstrengenden Arbeiten und wenn ich dann und wann schwitzte, dann hauptsächlich in meinem Kopf. Mein inneres Gleichgewicht wurde besonders dann strapaziert, wenn mehrere zu erledigende Dinge sich zeitgleich einstellten und mich beanspruchten.
Ein Beispiel: Sehr oft wurden sogenannte  Straßenhunde aus dem Ausland in unser Tierheim aufgenommen. Diese waren meist sehr scheu und aufgrund vieler schlechter Erfahrungen mit  der Gattung Mensch natürlich auch uns Pflegern und Mitarbeitern gegenüber zunächst erst einmal sehr ängstlich und enorm misstrauisch. Oft war es ein sehr langwieriger Prozess, das zerstörte Vertrauen dieser Hunde durch viel Geduld und liebevolle Zuwendung allmählich wieder zurück zu gewinnen. Nun war es nicht besonders schwierig, auch diese meist verstörten und ängstlichen Hunde zu gegebener Zeit aus dem Zwinger herauszulassen und ihnen im freien Gelände etwas Auslauf zu ermöglichen. Sehr schwierig war es dann allerdings, diese freilaufenden und in panischer Angst vor mir flüchtenden Hunde dann auch wieder in den unliebsamen Zwinger zurück zu befördern. War ich nun beispielsweise gerade mit solch einer Aufgabe beschäftigt, beanspruchten zugleich auch andere und nicht weniger wichtige Aufgaben meine Hände, meine Füße und grauen Gehirnzellen. Verflixt, wie locke ich jetzt diese Hunde wieder zurück in ihren Zwinger? Vielleicht funktioniert es mit Futter oder einigen Leckerlies? Also erst mal schnell in die Futterküche und unterwegs in diese es ist nicht zu überhören: im Büro klingelt ununterbrochen das Telefon und draußen am Tor stehen Besucher und strapazieren nicht weniger emsig den Klingelknopf. Da ich nach 16.00 Uhr meist als Solist auf der Matte stehe, scheinen mich mehrere Aufgaben auf einmal zu erdrücken. Was hat denn nun Vorrang? Die Hunde, die in den Zwinger zurück müssen, das nervende Telefongebimmel im Büro oder die Besucher am Eingangstor? Und nun kommt auch noch ein Hund vom Spaziergang zurück. Verdammt, die im Eingangsbereich freilaufenden Hunde habe ich doch erst eben heraus gelassen. Diese müssen also angeleint und von mir oder irgendeinem der Besucher erst einmal festgehalten werden, damit der vom Spaziergang zurückkehrende Hund wieder in seinen Zwinger gebracht werden kann.
Von derartigen Beispielen könnte ich durchaus mehrere erzählen und möchte damit eigentlich nur verdeutlichen, das so mancher Nachmittag als „Alleinunterhalter“ nicht immer ganz einfach war. Sobald andere Helfer und Mitarbeiter mir tatkräftig zur Seite standen, war meine Nachmittagsschicht oft das reinste Vergnügen und um ein Vielfaches weniger problematisch. Andererseits war es jedoch nicht selten der Fall, das ich ohne die Hilfe anderer Helfer irgendwie zurechtkommen musste. Was dann auch immer zu tun und zu erledigen war: Sehr oft drängten sich nicht weniger wichtige Aufgaben dazwischen und ich fühlte mich in meiner Rolle als „Alleinunterhalter“ mitunter doch etwas überfordert und in Stich gelassen. Nicht nur den Erfordernissen und der Fürsorge meiner Schützlinge, sondern auch den Wünschen, Bedürfnissen und Problemen aller im Tierheim erscheinenden Besucher galt es zu entsprechen und gerecht zu werden. Eine oft nicht leicht zu bewerkstelligende Aufgabe, wenn es an zusätzlichen Helfern und Mitarbeitern mangelte. Mitunter war es schon sehr chaotisch: Einerseits wartende und ungeduldig klingelnde Besucher am Eingangstor, andererseits nicht weniger wichtige andere Aufgaben. Was aber war jeweils und augenblicklich besonders wichtig: der nervende und ständig auf den Klingelknopf drückende Besucher am Eingangstor oder der Schrubber in meiner Hand, mit dem ich gerade einen Zwinger reinigte ? Im unpassendsten Moment schrillte und klingelte dann meist auch noch das Telefon und die meisten Anrufer beanspruchten natürlich geduldiges und verständnisvolles Zuhören und so manche kostbare Zeit strömte indessen unaufhaltsam den Bach hinunter.

Trotz alledem


  Trotz alledem liebte ich meinen Tierheim-Job  und freute mich bereits schon vormittags auf meinen bevorstehenden Nachmittagsdienst. Dieser jedoch begann keineswegs selten mit Ärgernissen und mein Tierheim-Enthusiasmus wurde dann doch etwas brüchig und erlitt mancherlei Abkühlung und Schiffbruch. An manchen Tagen schien der Teufel höchstpersönlich seine Hände im Spiel zu haben:
Wurde mir Nachmittags zur Unterstützung ein Helfer zugeteilt, dann handelte es sich hierbei meist um einen jugendlichen Helfer aus einem Heim für „gestrandete“ und daher besonders fürsorgebedürftige Jugendliche. Im wöchentlichen Wechsel erschien entweder dieser oder jener Jugendliche Nachmittags im Tierheim und unterstütze mich dann meist auch sehr fleißig und tatkräftig betreffs aller zu erledigenden Aufgaben und Tätigkeiten. Aber nicht immer hatten diese Burschen Lust und Laune, Tag für Tag ihre Freizeit dem Tierheim zu opfern und waren diesbezüglich keineswegs immer besonders zuverlässig. Nicht selten passierte es, das entweder der Jugendliche selbst oder eine seiner Erzieherinnen im Tierheim anrief und die Mithilfe abgesagt wurde. Und an solchen Tagen war es dann keineswegs einfach für mich, allein und ohne Hilfe alle Aufgaben meistern zu müssen. Bis 15.45 Uhr waren zwar täglich ehrenamtliche Helfer, 1-Euro-Jobber oder Praktikantinnen noch im Tierheim anzutreffen, jedoch diese hatten sich meist in einen auf dem Tierheimgelände herumstehenden Bauwagen verkrümelt und amüsierten sich in diesem meist bis zum Feierabend. Nein, diese feucht-fröhlichen Versammlungen zu stören und diese Kollegen um Hilfe zu bitten, war nicht meine Art und kam für mich überhaupt nicht in Frage.

Also schau mal zu, wie Du alleine zurechtkommst, sobald der eigentlich eingeplante Helfer telefonisch abgesagt hatte. Aber solcherlei telefonische Absagen wurden mir meist nicht rechtzeitig genug und mitunter auch überhaupt nicht mitgeteilt. Aber weil ich letztlich etwas Unterstützung stets gut gebrauchen konnte, fragte ich mich dann natürlich: Wo bleibt er denn nur?  Verdammt noch mal, meine „helfende Hand“ müsste doch schon längst hier sein und ich könnte seine Hilfe jetzt wirklich gut gebrauchen! Mich darüber zu informieren, das dieser Jugendliche, auf den ich hoffte und vergeblich lauerte, längst schon angerufen und sein Fernbleiben entschuldigt hatte, das war wohl oft von der Laune oder auch dem mangelhaften Erinnerungsvermögen des Mitarbeiters abhängig, der diesen Anruf entgegengenommen hatte. Also möglichst schön cool bleiben und angesichts der anderen Helfer, 1-Euro-Jobber oder Praktikanten , die wie so oft nichts Wichtigeres im Sinn hatten, als in einem Bauwagen herumzusitzen und dort vergnügt miteinander zu plaudern, galt es wieder einmal als Solist die Ärmel hochzukrempeln und um der Tiere willen weder zu verzagen noch zu kapitulieren. Meckern, Stöhnen und Jammern war letztlich und ganz gewiß nicht die Art dieses Jöhstädter Mitarbeiters. Nach 16.00 Uhr wurde er ohnehin sich selbst überlassen und jeglicher Helfer und Mitarbeiter zwitscherte in Feierabendstimmung fröhlich und vergnügt zum Tor hinaus. Demnach schien es doch zweckmäßiger und vernünftiger, sich an solcherlei einsame Nachmittage zu gewöhnen und es mit Gelassenheit hinzunehmen, das dieser Dienst am Nachmittag keineswegs immer ein Erholungsurlaub für mich war.

 

Problematische Situationen

Wie löse ich jetzt dieses augenblickliche Problem? Irgendein Tierfreund hatte entweder wieder einmal ein Kätzchen gefunden oder einen herumstreunenden Hund aufgegriffen und wünschte sich dieses Fundtieres natürlich umgehend dank des Tierheimes zu entledigen. Wie hervorragend, wenn solcherlei Situationen nach 16.00 Uhr passierten, weil dann der Tierheimleiter mitsamt allen anderen Mitarbeitern meist schon nach Hause gefahren waren und nur ich  als „Einzelkämpfer“ noch im Tierheim verweilte. Einerseits war ich weder befugt noch berechtigt, Fundtiere an - und aufzunehmen. Das war einzig und allein Chefsache oder Angelegenheit anderer hierfür bestimmter Mitarbeiter. Ob nun befugt oder nicht: Der zu erledigende Schriftkram in solchen Fällen war keine sonderliche Hürde, aber wohin mit einem neuen Hund angesichts voll belegter Zwinger und somit vorherrschenden Platzmangels? Und andererseits: Stimmte das auch wirklich alles, was mir vom vermeintlichen Tierfreund alles aufgetischt und erzählt wurde? Hatte nicht schon so mancher Lump und Betrüger seinen eigenen Hund als angeblich gefundenes Tier ins Tierheim verfrachtet und somit bequem und kostenlos entsorgt ? Nein, in solcherlei Fällen war es meist erforderlich und unumgänglich, den Leiter des Tierheimes anzurufen und diesen zu bitten,  sich möglichst umgehend nochmals im Tierheim einzufinden.

Ein gänzlich anderes „Problemchen“ war oft dieses, wenn es für den Leiter unseres Tierheims andernorts etwas zu erledigen galt und er daher das Tierheim für gewisse Zeit verlassen hatte. Kurz zuvor versicherte er uns Helfern stets, sogleich wieder zurück zu kommen und auf gar keinen Fall länger als nötig abwesend zu sein. Während dessen erschienen natürlich oft irgendwelche Besucher im Tierheim, die einzig und allein den Tierheimleiter zu sprechen wünschten und meinerseits erst einmal vertröstet werden mußten: "Wenn es wirklich sehr wichtig ist, dann warten sie doch bitte einige Minuten, denn er müsste eigentlich gleich wiederkommen". Aber wo blieb er denn nur? Wie peinlich, denn so mancher Besucher wartete und wartete dann nicht nur Minuten, sondern mitunter stundenlang  auf die von mir versicherte umgehende Rückkehr des Tierheimleiters. Sorry, ihr geduldig wartenden und hoffenden Besucher, ich werde mal versuchen, ihn telefonisch zu erreichen und nachfragen, wie lange es noch dauert ........  Entschuldigen Sie bitte, es tut mir echt leid, aber sein Handy ist offenbar ausgeschaltet! Wie peinlich! Manche Besucher hatten natürlich nicht so viel Zeit im Gepäck und wanderten unverrichteter Dinge wieder zum Tor hinaus. Andere dagegen warteten  stöhnend, klagend und seufzend mitunter sehr lange Zeit, bis der Tierheimleiter schließlich und endlich ins Tierheim zurückkehrte. Nicht selten gab es also mancherlei Situationen, die dann besonders  meine grauen Gehirnzellen doch sehr ins Schwitzen brachten.
Aber dennoch schien immer wieder und unaufhaltsam die Sonne in mein Herz. Dieses Tierheim - es war mein Leben, mein Zuhause, meine Heimat. Es zog mich wie ein Magnet in seinen Bann und längst schon gehörte ich sozusagen zum "Inventar" des Tierheimes. Ein Leben ohne diese Arbeit, ein Leben ohne dieses Tierheim und vor allen Dingen ein Leben ohne meine geliebten Hunde und Schützlinge – nein, das vermochte ich mir nicht mehr vorzustellen und nur ungern auszumalen. Trotz mancher problematischen Situationen und Konflikte: Meine positive Beziehung zu meinen geliebten Hunden vermochte durch nichts auf dieser Welt eingeschränkt und aus dem Gleichgewicht geworfen zu werden. Allein um dieser Hunde willen  war es mir meist sehr wichtig, mich einsatzfreudig einzubringen und zu engagieren. Nicht in erster Instanz irgendwelchen menschlichen Typen, sondern in erster Instanz den entweder ausgesetzten oder ausrangierten „Spielzeugen“ unserer Wegwerf-Gesellschaft galt es ein fürsorglich guter, liebevoller und treuer Freund zu sein und zu bleiben. Und darum gab es für mich keinen besseren und  sinnvolleren Platz auf diesem Globus, als dieses Tierheim, in welchem ich knappe zehn Jahre lang beschäftigt sein durfte.

 

 

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