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Ein Häuflein Glück trotz Arbeitslosigkeit
Dank dieser vom Arbeitsamt erhaltenen ABM-Beschäftigung hatte ich sozusagen einiges "Glück im Unglück". Nunmehr hatte ich mich also täglich als Hilfsarbeiter und Bauhelfer in diesem Tierheim einzufinden. Zu jener Zeit galt es noch vielerlei Innen – und auch Außenarbeiten zu bewerkstelligen und mein Job als Bauhelfer bereitete mir nicht sonderlich viel Freude und Vergnügen. Als ehemaliger Forstarbeiter, Gabelstapelfahrer und Filmvorführer hatte ich keinerlei Ahnung darüber, wie man sich als ungelernter Maurer und als eine Art "baggernder Maulwurf" mittels Schaufel und Hacke am besten nützlich macht. Auch gesundheitlich bereiteten mir diese Tätigkeiten ein Problem, denn ganz besonders meine Hände bedankten sich angesichts unverträglicher Stoffe und Materialien sehr bald schon mit einem sehr akuten und immer schlimmer werdenden Hautausschlag. Viele Jahre zurückliegend – beschäftigt in einer Gießerei - hatte ich schon einmal derartige Ekzeme vorwiegend an meinen Händen und diese damals gesundheitlichen Probleme und immer wiederkehrenden Hauterkrankungen erforderten schließlich einen anderen Arbeitsplatz. Dementsprechend kutschierte ich alsbald im selben Betrieb einen Gabelstapler durch die Gegend und meine Hauterkrankungen wurden dank dieser Arbeit endlich ins Jenseits befördert und existierten nicht mehr.
Nun aber holten mich diese Haut-Probleme im Tierheim wieder ein und ich vermochte meinem Bauhelfer-Martyrium nur wenig Positives abzugewinnen. Eines Tages geschieht jedoch etwas mich sehr Beglückendes und das Blatt wendet sich zu meinen Gunsten, denn von Hacken und Schaufeln, Wasserwaagen, Zementsäcken und Ziegelsteinen darf ich mich einige Monate später glücklicherweise für immer verabschieden und zukünftig ist es meine neue Aufgabe, alle im Tierheim untergebrachten Hunde täglich Ausführen zu müssen und mit ihnen stundenlange Spaziergänge zu unternehmen.
Die Hunde wachsen mir ins Herz
Nun habe ich erstmals ständigen Kontakt mit den Tierheim-Hunden und binnen kurzer Zeit entwickelt sich zwischen mir und diesen Hunden eine sehr innige und freundschaftliche Beziehung. Nun endlich kann ich meinen neuen Arbeitsort aus einem viel freundlicheren Blickwinkel betrachten und vermag dieser ABM-Beschäftigung viel Positives abzugewinnen. Nicht im geringsten ahnend, daß aus dieser erstmaligen ABM-Tätigkeit in diesem Tierheim eine fast zehnjährige Mitarbeit resultieren würde, begann mir der tägliche Umgang mit den Hunden ins Herz zu wachsen und einen besseren Job als diesen hätte ich mir niemals denken und wünschen können. Sehr bald schon waren alle im Tierheim untergebrachten Hunde keine fremden und unvertrauten Hunde mehr für mich, denn aufgrund der vielen Spaziergänge lernten wir uns gegenseitig mehr und mehr zu beschnuppern, zu mögen und zu vertrauen. Trotz vieler Probleme, die man als Arbeitsloser mit sich herumschleppt, brachte diese Tätigkeit und der tägliche Umgang mit meinen vierbeinigen Freunden etwas mich Beglückendes und Erfüllendes in meinen bisherigen Lebensalltag. In diesem Tierheim begann etwas mein Herz zu erfüllen, was mir im Rückblick auf vergangene Jahre weder zu erfahren noch zu empfinden vergönnt gewesen war: Diese Tätigkeit bereitete mir nicht nur Freude, sondern sie wurde mir auch sehr wichtig, wuchs mir mehr und mehr ans Herz und stellte den Sinn vieler meiner bisherigen Beschäftigungen und Jobs in den Schatten der Bedeutungslosigkeit. Jeder Arbeitstag in diesem Tierheim wurde zu einem sehr bedeutsamen und auch sinnvollen Tag im Kalender meines Lebens. Die von mir über alles geliebten Hunde waren eben etwas gänzlich anderes als eine Motorsäge, etwas anderes als ein Gabelstapler oder eine Filmvorführ-Maschine in einem Filmtheater und nie zuvor schien mir eine Arbeit so wichtig, notwendig, nützlich und sinnvoll wie diese tägliche Beschäftigung mit meinen „Freunden auf vier Pfoten“. Und diese Freunde erfüllten mehr und mehr meine Welt, meinen Alltag, mein Leben, mein Denken und Fühlen. Ihnen gehörte mein Herz, meine Liebe, meine Zuwendung und Fürsorge. Und täglich neu vereinnahmten sie meine Sinne und Gedanken, abends während der Heimfahrt, abends vor dem Einschlafen und frühmorgens sogleich nach dem Erwachen und dem Beginn eines neuen Tages.
Ein Jahr im Tierheim - wie schnell es doch vorüber war
Mit dieser ABM-Beschäftigung im Tierheim und meiner neuen Aufgabe, mit den Tierheim-Hunden täglich und rund um die Uhr spazierengehen zu dürfen, hatte etwas mich sehr Beglückendes und Wichtiges begonnen und allmählich entwickelte ich mich zu einem vermutlich durchaus brauchbaren, guten und hoffentlich auch sehr zuverlässigen Tierheim-Mitarbeiter.
Andernfalls hätte sich weder das Tierheim noch der Tierschutzverein ganz gewiss nicht immer wieder neu für mich engagiert und eingesetzt, wenn es galt, nach Ablauf einer ABM sehr bald schon wieder eine neue Beschäftigung im Tierheim zu erhalten. Angesichts einer Tätigkeit, die man weder als Last noch als notwendiges Übel empfindet, weil sie schlicht und einfach ein Bedürfnis des Herzens ist, scheinen Tage, Wochen und Monate ganz besonders schnell dahin zu fließen und ich war oft sehr unglücklich darüber, wenn eine solche Tierheim-ABM sehr bald schon wieder zu Ende war. Wahrhaftig: Ich fühlte mich oft todunglücklich in meiner Haut, sobald ich nach Ablauf einer solchen Beschäftigung letztlich wieder dazu verdonnert war, untätig zu Hause Herumsitzen zu müssen und wünschte mir nichts sehnlicher, als möglichst umgehend wieder ins Tierheim „befördert“ zu werden. Sehnsucht nach meinen vierbeinigen Freunden erfüllte den untätigen Alltag und die untergegangene Sonne in meinem Herzen begann erst dann wieder richtig zu scheinen und mich neu zu erwärmen, sobald mir das Arbeitsamt schließlich und endlich eine neue ABM-Beschäftigung im Tierheim ermöglichte und bewilligte.
Einige Zeilen zuvor wagte ich soeben zu denken, zu erwähnen und zu schreiben, das ich mich vermutlich zu einen guten, brauchbaren und zuverlässigen Mitarbeiter gemausert hätte. Das Wörtchen „vermutlich“ ist hierbei nicht ganz unbedeutend, denn keineswegs mochte ich mich selbst beweihräuchern und selbstlobend in den Himmel heben. Letztlich ist es auch völlig unwichtig, ob ich mich angesichts meiner zehnjährigen Tierheim-Tätigkeit als guter oder weniger guter Mitarbeiter erwiesen habe. Wichtig ist, das mir meine Hunde stets sehr viel bedeutet haben. Und weil ich diese Hunde liebte, liebte ich auch meinen Job. Und weil ich meinen Job liebte, liebte ich natürlich auch dieses Tierheim und fühlte mich in diesem tagtäglich wie Zuhause. Und sehr bald schon erntet diese Liebe gewisse Früchte, denn sobald eine ABM-Beschäftigung bzw. einer der späteren 1-Euro-Jobs zu Ende ist, werde ich zukünftig vom Tierschutzverein weiterhin im Tierheim beschäftigt. Es mangelt dem Tierheim keinesfalls an Helfern, an ABM-Kräften, Praktikanten und 1-Euro-Jobbern. Nein, da gibt es keine Löcher zum Ausstopfen und dennoch ist man seitens der Tierheimleitung und des Tierschutzvereins an einer möglichst ununterbrochenen Mitarbeit meinerseits interessiert und die vom Arbeitsamt verordneten Zwangspausen und Stillstandszeiten sind dank dieser positiven Veränderung nun endlich auch Vergangenheit. Nun strahlt die Sonne erst recht und noch um einiges mehr in meinen Lebensalltag und ich bin froher Dinge und überglücklich, denn selbst dann, sobald eine vom Arbeitsamt bewilligte Maßnahme vorüber ist, darf ich im Tierheim bleiben, fühle mich gebraucht und erhalte vom Tierschutzverein auch noch meine sogenannten Aufwandsentschädigungen inklusive aller monatlich benötigten Fahrtkosten.
Wahrhaftig, es gibt viele Jahre lang während meiner Tierheim-Tätigkeit für mich keinerlei Grund und Anlass zum Jammern oder Trübsalblasen. Ganz im Gegenteil, denn immer wieder erfahre ich die Hilfe, Unterstützung und das tatkräftige Entgegenkommen des Tierschutzvereins. So hätte ich beispielsweise angesichts meines eigenen und erkrankten Hundes Teddy allein mit meinem Arbeitslosengeld diesbezüglich mehrfach erforderliche Konsultationen und Behandlungen bei einem Veterinär-Spezialisten für Augenerkrankungen, wohl kaum bzw. niemals bezahlen können. Ein gänzlich anderer und unbedingt behandlungsbedürftiger Patient war eines Tages mein vierrädriges und absolut fahruntaugliches Fortbewegungsmittel in Gestalt eines in die Jahre gekommenen Citroens. Unterwegs ins Tierheim gibt mein alter Karren eines Tages urplötzlich seinen Geist auf und stürzt mich in ziemliche Hilflosigkeit. Mit einem zerschmorten Kabelbaum habe ich - nur noch einige wenige Kilometer vom Tierheim entfernt - plötzlich ein ziemlich großes Problem am Hals. Na gut, meine alte Karre hat zwar gesundheitliche Probleme, jedoch sie lebt noch und bewältigt krächzend und stöhnend die letzten Kilometer. Wie aber soll ich Abends wieder nach Hause gelangen? Letztlich ist es der Tierheimleiter höchstpersönlich, der mich an diesem Abend nach Hause fährt und am darauffolgenden Tag auch wieder von zu Hause abholt. Mein Citroen wird kurzfristig in eine Werkstatt gebracht und dort auf Kosten des Tierschutzvereins repariert und wieder fahrtüchtig gemacht. Dies alles erzähle und schreibe ich aus einem ganz bestimmten Grund: In den Anfangsjahren meiner Tierheim-Tätigkeit erfahre ich immer wieder die Hilfe und das Entgegenkommen des Tierschutzvereins. Aber warum, wieso und weshalb? Ist diese Großzügigkeit des Tierschutzvereins nur ein Akt christlicher Nächstenliebe? Oder verbirgt sich dahinter vielleicht doch die Möglichkeit, das man in diesem Jöhstädter Hanswurst einen durchaus sehr brauchbaren, nützlichen und guten Mitarbeiter sah und ihn daher mit vielerlei Begünstigungen und Sonderbehandlungen verwöhnte und beschenkte? Nun soll man ja bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben, denn eines Tages ist dieser edelmütige Tierschutzverein überhaupt nicht mehr gut auf mich zu sprechen und jagt mich aus dem Tierheim auf und davon. Aber dieses Ereignis liegt noch in einiger Ferne und ich werde später mehr und Näheres darüber berichten.
Freundschaften und weniger gute Beziehungen
Längst waren auch viele der anderen Helfer und Pfleger meine Freunde geworden und allesamt bildeten wir ein gutes Team. Sehr oft hockten wir nach vollbrachtem Tageswerk gemütlich und gemeinsam beisammen und wenn es einen Geburtstag oder etwas anderes zu Feiern galt, dann versammelte sich zu abendlicher Stunde das damalige Stammpersonal zu einer meist recht fröhlichen Party bis oftmals spät in die Nacht hinein. Derartig schöne Zeiten vergißt man nicht und ungelöscht in meinem Gedächtnis ist das Lachen fröhlicher Herzen und in den gespeicherten Erinnerungen schweben die Gesichter von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen vorüber, die sich untereinander und miteinander noch gut verstanden und sich gegenseitig nie und nimmer irgendwelche Knüppel zwischen die Beine warfen. Zurückschauend auf längst vergangene Jahre hatte ich in diesem Tierheim neben meinen vierbeinigen Freunden also auch zweibeinige Freunde, welche mich akzeptierten, die mir vertrauten und denen auch ich ohne Skepsis und Argwohn zu vertrauen vermochte. Zerwürfnisse, Konflikte, Antipathien und feindschaftliche Gesinnungen gab es nicht in früheren Gemeinschaften und dieser "Virus" infizierte erst wenige Jahre vor meinem Tierheim-Exodus die kollegiale Gesundheit und Zusammenarbeit vieler Helfer, Mitarbeiter und Führungskräfte. Aufgrund oft wechselnder und neu hinzukommender Helfer und Mitarbeiter ist das einst gute Team von damals Jahre später nur noch Erinnerung und viele kollegial-freundschaftlichen Beziehungen strömen mehr und mehr den Bach hinunter und aufkeimendes Gegeneinander behindert zunehmend jegliches Miteinander. Fräulein X kann plötzlich Fräulein Y nicht mehr leiden und Helfer A präsentiert dem Helfer B seinen Stinke-Finger. Cliquen bilden sich und jede Clique zieht sich zurück ins eigene Schneckenhäuschen und vermeidet möglichst unnötige Kontakte mit der unsympathisch anderen Front und Gegenseite.
Angesichts der Tatsache, das sich der gegründete und bereits schon seit einigen Jahren existierende Tierschutzverein über die Zugehörigkeit von Mitgliedern nicht beklagen kann, sind es letztlich nur einige wenige Mitglieder dieses Tierschutzvereins, die sich auch dem Tierheim verpflichtet fühlen und sich daher immer wieder ehrenamtlich auch im Tierheim engagieren und den Tierheim-Bewohnern mindestens einmal im Monat ein Wochenende opfern. Viele der restlichen Mitglieder scheinen vordergründig nur Katzen zu mögen und um deren Wohlergehen besorgt zu sein. Mit Hunden haben viele dieser Tierfreunde offenbar Probleme und Berührungsängste und demzufolge sind es immer wieder die selben Gesichter, die Samstags, Sonntags und auch an Feiertagen im Tierheim zu sehen und anzutreffen sind. An diesen ehrenamtlich tätigen Tierschutzmitgliedern, die sich vorwiegend nur an den Wochenenden ihre Ärmel hochkrempeln und im Tierheim engagieren, geht der unglückselige Zoff und das frostige Klima zwischen den alltäglich im Tierheim anwesenden Kollegen und Mitarbeitern so gut wie unbemerkt vorüber. Auch die Vorstandsmitglieder, die ebenso nur gelegentlich im Tierheim anzutreffen sind, haben keinerlei blasse Ahnung davon, daß sich viele der alltäglichen Helfer und Mitarbeiter untereinander zerstritten haben und somit das Arbeitsklima nicht mehr besonders gut und hervorragend ist. Wer jedoch mit besonders guten Ohren, Augen und Sinnen ins Tierheim kommt, der hört, sieht und spürt es: das einst gute Miteinander der Kollegschaft ist zerbrochen und etwas Ungutes liegt in der Luft und schleicht wie ein Gespenst umher.
Zerbrechende Freundschaften
Es spielt keine wesentliche Rolle, welche Stürme es letztlich sind, die dann und wann über uns Menschen hinweg fegen und unseren guten Charakter verderben oder zumindest negativ beeinflussen. Bereits schon ein kleiner Sturmwind von Meinungsverschiedenheiten oder Enttäuschungen vermag eine Freundschaft offenbar schnell zu zerbrechen und zum Einsturz zu bringen. Nicht immer gelingt es uns, allen Stürmen zu trotzen und alle geknüpften freundschaftlichen Beziehungen lebenslang zu pflegen, zu behüten und zu erhalten. Von unseren Freunden tragen wir doch alle stets ein Bild mit uns herum, welches wir uns selbst gezeichnet und mit allerlei bunten Farben ausgemalt haben. Und wenn dieses Bild von unseren Wünschen, Erwartungen und Vorstellungen abweicht und die Realität möglicherweise eine ganz andere ist, dann verwandeln sich alle unsere hochgeschraubten Erwartungen in Enttäuschungen und solcherlei unerwünschten Eindringlinge ins Paradies unserer Hoffnungen vergiften schließlich das gegenseitige Vertrauen und zermürben mehr und mehr jene zwischenmenschliche Beziehung, die wir Freundschaft zu nennen pflegen. Aber nicht nur die in unseren Köpfen herumschwirrenden Enttäuschungen lassen den anfangs unzerreißbar scheinenden Faden, der Freunde miteinander verbindet, immer dünner werden, sondern auch so manche in uns schlummernde negative Eigenart und Charakterschwäche verbündet sich mit unseren gerechtfertigten oder auch ungerechtfertigten Enttäuschungen. Stur und trotzköpfig verbarrikadieren wir uns hinter unserem Standpunkt, verkriechen uns beleidigt und verletzt in unser Schneckenhäuschen und mancherlei Freundschaften zerplatzen irgendwann wie eine Seifenblase, beginnen zu sterben, zu zerbröckeln und auszutrocknen. Eine Freundschaft blüht und lebt immer nur so lange, so lange man sich gegenseitig vertraut. Wird dieses Vertrauen jedoch irgendwann angekratzt, erschüttert und beschädigt, dann erst erweist es sich, ob eine Freundschaft tatsächlich auch eine Freundschaft ist oder andernfalls als Trugschluss und Irrtum abgehakt und verworfen wird. Letztlich ist und bleibt es der Alltag unseres Lebens, der unsere geknüpften und geschlossenen Freundschaften auf Herz und Nieren prüft und oftmals durch mancherlei Bewährungsproben führt.
Nun möchte ich wieder das Tierheim ins Blickfeld rücken: In den Anfangsjahren meiner Tierheim-Tätigkeit wurde Kameradschaft, Zusammenhalt, freundschaftlicher Umgang und ein wunderbares Arbeitsklima zwischen uns Mitarbeitern noch groß geschrieben. Während der letzten Jahre meiner Mitarbeit veränderte sich leider vieles ins krasse Gegenteil und ich erlebte mit Grausen und Bedauern, wie Freundschaften zwischen Kollegen und Mitarbeitern nach und nach buchstäblich ins Wasser fielen und sich in Luft auflösten.
Die anfangs hellen Farben eines positiven Miteinanders vergilbten und verdunkelten mit zunehmender Intensität den Arbeitsalltag. Auch ich hatte mich viele Jahre lang mit vielen Kollegen, Helfern und Mitarbeitern glänzend gut verstanden und vermochte es Jahre später weder zu ändern noch aufzuhalten, das aus einst sehr guten Freunden allmählich weniger gute Freunde wurden. Für mich kam es nur ungern in Frage, meinen Mitstreitern mit Heuchelei zu begegnen und mittels Kriecherei und Scheinheiligkeit meine innersten Überzeugungen zu verleugnen. Und wehe dem Pfleger und Mitarbeiter, der nicht in der Spur der großen Masse bleibt und weniger auf das Wohl von Menschen, sondern mehr auf das Wohlergehen verstoßener und meist verantwortungslos entsorgter Hunde bedacht ist. Ein solcher Mitarbeiter darf sich letztlich nicht darüber wundern, wenn sich vermeintliche Freunde als unecht und instabil erweisen und schließlich als Feiglinge, Egoisten und Verräter der einst freundschaftlichen Gesinnung eine radikale Absage erteilen. Andererseits fallen mir tröstlicherweise keineswegs alle damaligen Freunde in den Rücken und nicht jeder ist emsig damit beschäftigt, mich abzuservieren und mir plötzlich schmerzhaft in den Hintern zu treten. Nein, einige Mitarbeiter und auch einige regelmäßige Tierheimbesucher denken überhaupt nicht daran, mich gleichsam auseinander zu pflücken und auf einem Misthaufen zu kompostieren, sondern erweisen sich durchaus als wahrhaft gute und echte Freunde.
Aber dies alles geschieht erst einige Zeit später und vorerst ist nur wahrzunehmen, das die einst doch sehr schönen Zeiten im Tierheim längst Geschichte geworden sind und sich manches doch sehr negativ verändert hat. Trotz dieser Wahrnehmungen jedoch ist meine geliebte Tierheim-Welt für mich immer noch voller Sonnenschein und ich verrichte nach wie vor sehr gerne und zuverlässig die mir anvertrauten Aufgaben und Tätigkeiten.

